Orgelprospekt

Unter einem Orgelprospekt versteht man das äußere Erscheinungsbild einer Orgel mit den dazu gehörenden Aufbauten sowie dem sichtbaren Teil der Orgelpfeifen. Nur ein Bruchteil der Orgelpfeifen ist normalerweise von außen zu sehen. Manchmal gehören zu einem Orgelprospekt auch stumme Pfeifen, die lediglich aus Gründen der Optik und Symmetrie verwendet werden.

Die Orgel in St. Rochus befindet sich auf der zweiten Empore gegenüber dem Altar. Ihr reichverzierter und vergoldeter Prospekt aus der Zeit um 1720 besteht aus einem siebenteiligen Hauptgehäuse, das in zwei Ebenen gegliedert ist. Darunter - in die Brüstung der Empore integriert - befindet sich ein weiteres dreiteiliges Gehäuse, hinter dem sich das so genannte Brüstungswerk (Manual I) verbirgt.

 

 

 

Die Zentralachse an beiden Gehäusen, also deren Mittelfelder, ist durch eine vorstehende Rundung betont. Die seitlichen Achsen werden dagegen durch Spitztürme auf dreieckig vorspringenden Konsolen gebildet. Auf den Türmen sitzen und stehen sechs Putten sowie drei große Posaunenengel in lebhafter Gestik - vielleicht als Hinweis auf das Jüngste Gericht. Das Hauptgehäuse verfügt über leicht konvexe Zwischenfelder. Bei dem Brüstungspositiv fällt besonders die Umrahmung aus lebhaft züngelndem Akanthus mit seitlichen Engelsfiguren auf.

 

 

 

 

Die Felder, die die sichtbaren Orgelpfeifen einrahmen, zeigen in ihrem oberen Teil eine verzierte Abdeckung in Form von zwei rechtwinkligen Dreiecken. Sie sollen die leeren Stellen der Felder kaschieren oder verschleiern, die durch die unterschiedliche Größe der Pfeifen entstehen. Diese vergoldeten Abdeckungen, die man deshalb auch als Schleierbretter bezeichnet, sind an beiden Gehäusen von dichtem Laubwerk gebildet und sehr feingliedrig gearbeitet. Die Ränder der beiden Gehäuse werden durch Rundungen verziert, die auch Seitenohren genannt werden. In ihnen schweben nochmals jeweils zwei große Engel. Weitere neun geflügelte Puttenköpfe verzieren den gesamten Prospekt.

Neben den Akanthus- und den reinen Ornamentik-Verzierungen fallen auch die zahlreichen Früchtedarstellungen auf, wie zum Beispiel Weintrauben, Äpfel, Granatäpfel und Feigen. Ob es sich dabei lediglich um einen Dekor mediterraner Früchte handelt, sei dahin gestellt. Häufiger verweisen Darstellungen in barocken Kirchen auf eine heute nicht immer leicht zu deutende Symbolik. So können die verschiedenen Früchte als Sinnbild für Christus (Weintrauben), für die Erlösung (Apfel) und für die Fruchtbarkeit (Granatapfel) verstanden werden. Lediglich die Feige als Symbol des Sündenfalls will nicht so recht in den Rahmen einer sonst positiv dominierten Allegorie passen.

 

Am unteren Rand des Orgelprospekts bzw. des Brüstungswerks befindet sich eine Kartusche mit einem Text über die Stifter des Orgelprospekts. Die Inschrift lautet:

 

Stephan Johann Müller
alhier u Margarete Esther desen Ehe
wirtin haben Gott zu Ehren
an diesen kleinen Werck der Orgelmacher
arbeith und Mahlerei anfertigen
lassen.

Text: Klaus Klingen

Quellen:  H. Fischer und T. Wohnhaas
  Orgeldenkmale in Mittelfranken
  Schneider Rensch Orgelbauverlag
und W. Kress
  St Rochus-Kirche in Zirndorf - ein Gesamtkunstwerk des Barock